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Historische Entwicklung der Positionen zur Abtreibung in Straf- und Moralschriften. Ich werde versuchen die Moralischen Wurzeln und die darauf fußenden rechtlichen Positionen möglichst in ihrer Entwicklung zu erfassen. Dabei treffe ich eine Auswahl, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat, sondern einer argumentativen Systematisierung folgt.

Historischer ÜberblickBearbeiten

Die Wurzeln strafrechtlicher Betrachtungen von Abtreibung und Kindsmord zur Zeit des Humanismus, beginnen zum einen bei den moralischen Überlegungen der Antiken Philosophen in der Tradition des Aristoteles. Zum anderen bei den römischen Rechtsquellen, auf denen das römische Recht fußt, die sich an stoischen Überzeugungen orientieren. Beide können natürlich nicht trennscharf unterschieden werden, zumal die Stoiker mit ihrer großen Bedeutung für den römischen Staat auch wesentlich später wirken. Gleiches gilt für alle Quellen, die auf diese Ursprünge bezugnehmen. Spätestens seit dem 12. Jahrhundert entwickelte sich über die Universitäten des Hochmittelalters eine wissenschaftliche Problematisierung des Themas heraus. Hier seien vor allem Augustinus und andere Scholastiker bedacht. Das kirchlich geprägte Kanonische Recht bezieht sich natürlich auch sehr stark auf die Bibel als Quelle von Rechtsvortstellungen, allerdings kann die Bibel selbst nicht als koheräntes Rechtsbuch verstanden werden. Damit ergibt sich schon während des 12. Jahrhunderst ein Nebeneinander von heidnischen Philosophen und Medizinern, römischen Juristen, den Kirchenvätern, den Päpsten und der heiligen Schrift als Autoritäten in der Strafrechtlichen Debatte[1].

SystematisierungBearbeiten

Strafrechtliche Normen in ihrer staatlichen Bedeutung generieren sich zu meist aus moralischen Vorstellungen, welche wiederum auf grundsätzlicheren philosophischen Überzeugungen gegründet sind. Zu diesen Überzeugungen, die für das Projekt relevant sind, gehört das Konzept der Seele. Wann und wie ein Mensch welche Art von Seele erhält, sind für die Überlegungen, welchen ehtischen Stellenwert ein Ungeborenes Kind zu kommt, entscheidend. Denn weit in die Neuzeit hinein ist der Stellenwert des Lebens mit dem Vorhandensein einer Seele verkoppelt. Lebendigkeit und Beseeltheit als moralische Kriterien verweisen nach Vorstellung der Protagonisten meist aufeinander. Erst mit den medizinischen Fortschritten fällt der Lebendikeit als empirische Tatsache eine größere Bedeutung, im Vergleich zur Seelentheorie, zu.

1. AristotelesBearbeiten

Aristoteles verbindet mit der Vorstellung des Lebendigen in seiner Seelentheorie ein Stufenmodell, dass von Pflanzen zum Menschen reicht. Ausgehend von der Fähigkeit zur Ernährung und Fortpflanzung, die allen Lebewesen zu kommt (auch den Pflanzen), über die Fähigkeit der Wahrnehmung, die alle Tiere teilen bis zur Denkfähigkeit, welche nur dem Menschen allein zu kommt. Die Seele ist dabei als dasjenige definiert, dass einem natürlichen Körper (organisch-> potenziell lebendig), die Lebendigkeit verleiht/ seine Belebtheit verwirklicht. Die Seele wird als Form des lebendigen Körpers aufgefasst. Sie ist daher nicht von ihm in eine eigenständige Existenz, wie bei Platon, zu trennen.

Aristoteles selbst und die griechischen Mediziner, allen voran Hippokrates, gingen im Sinne des Stufenmodells davon aus, dass erst der ausgebildete Mensch einen Schutzbedürftigen Status hat. Die Entwicklung des ungeborenen bis zur menschlichen Qualität wurde anhand der Ausbildung von Gliedmaßen fest gemacht.

1.2. TraduzianismusBearbeiten

Aufbauend auf Aristoteles geht Tertulian davon aus, dass die Seele durch den Samen des Vaters auf das Kind übertragen wird. Nach dieser Vorstellung stammen alle Menschen von Adam und erhalten von ihm auch die Erbsünde. Allerdings ist jedes Ungeborene, auch wenn es nur potenziell menschlich ist unter Schutz zu stellen.

3. Stoiker und Römische JurisprudenzBearbeiten

Die Stoiker gingen davon aus, dass die Seele erst mit dem ersten Atemzug in den Körper des Kindes gelangt. Dementsprechend spricht das römische Recht, das entscheidend von der Stoa geprägt ist, vor allem vom Vormenschlichen Status des ungeborenen. Bei einer gewaltsamen Abtreibung werden lediglich andere Rechtsbereiche tangiert. So kann eine Zivilrechtsklage bemüht werden, wenn eine Frucht abgeht oder die selbst abtreibende Frau, die gegen die patria potestas verstößt (und damit auch gegen ihre Ehepflichten), ins Exil geschickt werden (Müller S. 6 f). Allerdings kann das ungeborene bereits Träger eines Erbrechtes sein und wird dadurch in bestimmten Fällen erheblich aufgewertet.

Im HumanismusBearbeiten

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Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Vgl. Müller, Wolfgang P.:Die Abtreibung: 'Anfänge der Kriminalisierung 1140-1650' in: Forschungen zur kirchlichen Rechtsgeschichte und zum Kirchenrecht, Bd. 24; Böhlauverlag Köln Weimar Wien, 2000; S. 2

LiteraturBearbeiten

  • Jerouschek, Günter: Lebensschutz und Lebensbeginn: 'Kulturgeschichte des Abtreibungsverbots' in: Medizin in Recht und Ethik, Bd. 17; Ferdinand Enke Verlag Stuttgart, 1988
  • Maissen, Thomas und Walther, Gerrit (HG's): Funktionen des Humanismus: 'Studien zum Nutzen des Neues in der humanistischen Kultur'; Wallstein Verlag Göttingen, 2006
  • Müller, Wolfgang P.:Die Abtreibung: 'Anfänge der Kriminalisierung 1140-1650' in: Forschungen zur kirchlichen Rechtsgeschichte und zum Kirchenrecht, Bd. 24; Böhlauverlag Köln Weimar Wien, 2000
  • Nardi, Enzo: Procurato aborto nel mondo greco romano; Milano, 1971 (nicht gelesen mangelns italienisch Kenntnisse)

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